Antisemitismus baut Brücken

Vom islamistischen „Muslim Markt“ wird mir heute als Leseempfehlung der Antisemit vom Dienst bei der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB), Ludwig Watzal, empfohlen. Der wiederum legt mir in seinem Blog-Artikel wärmstens ein Buch mit dem Titel „Zionismus und Faschismus“ ans Herz, in dem „eine intensive Zusammenarbeit zwischen Zionismus und Faschismus (Nationalsozialismus)“ behauptet wird.

Das wäre natürlich praktisch, wenn man „dem Zionismus“ so eine verwerfliche „Zusammenarbeit“ nachweisen könnte. Die Islamisten hatten ja mit dem Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini einen echten Nazi-Kollaborateur und „Befürworter der Vernichtung der europäischen Juden im Deutschen Reich“ (Wikipedia) in ihren historischen Reihen; eine eigene moslemische Waffen-SS-Division half dem Nazi-Reich bei dessen Vernichtungskriegen. Auch der sich als Linker gebende Watzal hat als glühender Antizionist großes Interesse daran, die zur Gründung des Staates Israel führenden politischen Kräfte zu diskreditieren, wo es nur geht.

Das angepriesene Buch von Lenni Brenner, einem Trotzkisten aus den USA, ist 1984 im Original erschienen und wurde 2007 in deutscher Fassung vom Kai-Homilius-Verlag veröffentlicht. Dieser Verlag hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als Herausgeber von verschwörungstheoretischen, anti-amerikanischen und antisemitischen Schriften erworben. Dort erscheinen Publikationen des links-rechten Irrlichts Jürgen Elsässer, der frühere SPIEGEL-Redakteur Fritjof Meyer durfte dort seinen Auschwitz-Revisionismus zum Schlechtesten geben.

Der Verleger Kai Homilius selbst machte seinen Standpunkt zu Israel unmissverständlich deutlich: „wir wünschen keinerlei Kontakte zu israelischen Firmen schon gar nicht aus dem von Israel annektierten Jerusalem“.

Was hat Brenner vorzubringen? Vor allem eine reichliche Zitatensammlung von dieser oder jener jüdischen Person oder Institution, die die „intensive Zusammenarbeit zwischen Zionismus und Nationalsozialismus“ nachweisen soll. Allerdings stammen diese Zitate eben alle aus der Zeit nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“, die vom ersten Tage an im Deutschen Reich antijüdische Maßnahmen forcierte. Unter diesen Umständen war ein Teil der jüdischen Funktionäre in Deutschland bemüht, die Lebensbedingungen so erträglich wie möglich zu gestalten; ein anderer Teil, vor allem die vom Zionismus geprägten Gruppen, setzten alles daran, die Auswanderung der Juden aus Deutschland nach Palästina voran zu bringen, damit sie der Unterdrückung und Diskriminierung entgehen konnten. Unter den gegebenen Umständen musste jedes Verhalten gegenüber den deutschen Behörden davon geprägt sein, die Behörden mit diesen Zielen im Auge kooperativ zu machen. Eine solche Art von Kooperation – um der manifesten Unterdrückung zu entgehen – stellt für jeden verständigen Menschen natürlich das Gegenteil einer Kollaboration dar, die selbst zum Teil des Unterdrückungs- und Mordapparates wird. Nicht so für den Trotzkisten Brenner: Es muss sich doch irgendwas finden lassen, womit man den Juden am Zeug flicken kann, heißt da die Parole.

Später änderte sich die Judenpolitik der Nazis. War zunächst noch die Auswanderung der Juden durchaus erwünscht, so war spätestens ab 1941 die Vernichtung der Juden in Europa das einzige Ziel geworden. Der Islamist al-Husseini wusste vom Holocaust und war sogar mit seinen Mitteln daran beteiligt. Natürlich wird man keine zionistische Organisation oder Persönlichkeit finden, die am Holocaust beteiligt war. In extremsten Situationen kam es zu Versuchen wie etwa vom Budapester Funktionär Rudolf Kastner, durch „Tauschhandel“-Geschäfte mit den Nazis möglichst viele jüdische Leben zu retten. Eben das ist der Kernpunkt der Brenner-Verdrehungen: Die Versuche, Leben zu retten, werden bei ihm zu „intensiver Zusammenarbeit“ umgelogen, und die Nachfolger des am Holocaust beteiligten Muftis bedienen sich freudig dieser „Argumente“ von links-antizionistischer Seite.

Und so kommt dann das antisemitische Panoptikum auf einen Nenner: Trotzkisten, linksradikale Antizionisten bei der „Bundeszentrale für politische Bildung“ und die Islamisten vom Schlage des Muslim-Markt. Es geht eben nichts über einen kernigen Antisemitismus, der so einige Brücken bauen kann.

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