Neue Führer auf dem dritten Weg

In einer Kolumne des Internetportals telepolis beschäftigt sich Rudolf Maresch mit dem westlichen Liberalismus und der arabischen Welt, die nicht daran denke, den liberalen Weg einzuschlagen. Ein interessantes Thema, zumal die Entwicklung des „Arabischen Frühlings“ gezeigt hat, dass die Entmachtung autoritärer und autokratischer Despoten keineswegs von selbst in einen Ausweg aus selbstverschuldeter Unmündigkeit mündet. Doch der Autor präsentiert vor allem, wie linksintellektueller Kulturrassismus und -relativismus geht.

  • Westliche Werte sind „Politische Romantik“, ihre Ideologie ist die „Politische Theologie der Menschenrechte“.
  • Die Menschen im Nahen Osten sind nicht reif für die Überforderung, Individuen zu sein: „Westliche Vorstellungen von demokratischen Bürgerrechten und individuellen Marktfreiheiten lassen sich nicht wie Maschinenteile einfach von hier nach dort verfrachten.“ Denn: „Demokratie ist anspruchsvoll und braucht Zeit, viel Zeit. Sie muss nicht nur wachsen, sie muss auch erst mühsam gelernt und langfristig eingeübt werden. Am besten von Kindesbeinen an.“ Und das muss der Araber erst mal bringen. Im Gegensatz dazu erzeugen Faschismus, Nationalsozialismus und Völkermord anderswo prima Voraussetzungen für richtig liberale Demokratie: „Nicht überall sind und waren die kulturellen und politischen Voraussetzungen so günstig wie einst in Deutschland oder Japan.“ Klasse: Am besten ziehen Araber erst mal einen kleinen Holocaust durch, die folgende Niederwerfung und Besatzung durch Siegermächte werden es dann sicher auch dort in Richtung Demokratie richten.
  • Und schließlich sind Aufrufe arabischer Denker, „den Islam vom Islamismus zu befreien … politisch naiv und hilflos“. Denn der Islamismus ist nicht nur „eine eminent politische Bewegung“, wogegen der Westen „gerade weder eine „bella figura“ macht noch eine große Ausstrahlungskraft auf andere besitzt“. Deshalb ist die Ausschau „der neuen arabischen Führer nach einem dritten Weg“, der „Religion, Markt und Demokratie in Einklang bringt, ohne auf liberale Ideen Rücksicht zu nehmen“, eine bemerkenswerte Sache. Und so schlussfolgert es: „Die arabische Suche nach einer funktionierenden Staatsform islamischer Prägung zeigt, dass es jederzeit auch andere Wege in die Moderne gibt. … Modern zu sein und/oder den Weg dahin zu definieren, ist, muss und wird daher kein exklusives Recht des Westens mehr sein.“

„Anything goes“ könnte man als Motto dieser Beliebigkeit ausmachen, nach der die tatsächliche politische Theologie des Islamismus genau so eine Möglichkeit für „die Moderne“ darstellt wie die hier als einzige „politische Theologie“ bezeichneten Menschenrechte. „Neue Führer auf dem dritten Weg“ – ja, das kann man sich im mit günstigen kulturellen und politischen Voraussetzungen gesegneten Deutschland echt gut vorstellen.

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