Fucking peasants, folks on the hill

Ein bemerkenswerter Artikel bei carta.info beschreibt eine Begegnung mit Thilo Sarrazin und sagt dem Leser eigentlich alles, was über den Mann zu wissen lohnt. Wie es aus ihm redet, spricht für sich.

Man kann lange und relativ fruchtlos darüber debattieren,  ob und welcher speziellen politischen Fraktion des X oder Y der Herr Sarrazin nun angehört oder welche gesellschaftliche Strömung er vertritt. Als Frage bleibt eigentlich nur, welche Formen von Neurose und Paranoia sich da zusammenfinden.

Sarrazin ist immer wieder mal mit dem Berlin-Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky in Verbindung gebracht beziehungsweise verglichen worden. Damit tut man Buschkowsky allerdings Unrecht, denn der ist tatsächlich als politischer Phänotyp zu begreifen: der klassische Sozialdemokrat und Gewerkschaftler, der Vorarbeiter und Werkmeister, der im Betrieb in einer Mischung aus Fürsorge und autoritärer Wegweisung die frisch hinzugekommenen Mit-Arbeiter unter seine Fittiche nimmt und ihnen zeigt, „so wird’s bei uns gemacht“, nur dass die frisch Hinzugekommenen eben nicht mehr wie selbstverständlich den Weg in die Werkhallen finden. Er ist ein ideeller Gesamtbetriebsrat auf den bevölkerten Straßen vor den Toren der aufgelassenen Fabriken des Industriezeitalters, der die überlebensnotwendigen Sekundärtugenden für ein eigenständiges Erwerbsleben vermitteln will, wo doch die Primärtugend der kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Vollbeschäftigung längst im dunstigen Historien-Nirwana irgendwann zwischen dem Zeitalter der Hobbits und dem Gewerkschaftsmotto „Samstags gehört Vati mir“ entschwunden ist.

Den Unterschied zwischen den beiden hat vor vielen Jahren der Liverpooler John Lennon festgehalten, der über den Neuköllner Working Class Hero textete:

And you think you’re so clever and classless and free
But you’re still fucking peasants as far as I can see

Der ehemalige Finanzsenator, im noblen Westend ansässig, wurde dagegen so gewürdigt:

If you want to be like the folks on the hill

Und wie geht die Sarrazin-Geschichte aus?

„Auf meinem Gesicht ein Ausdruck des Entsetzens. Sarrazins Stimme wird unsicher. Schließlich sagt er hastig, er brauche ein frisches Getränk, dreht sich um und geht.“

 

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