Schwarzer Dezember?

Wie war eigentlich noch mal der Assad-Clan in Syrien an die Macht gekommen?

Nun ja, Hafiz al-Assad war syrischer Verteidigungsminister gewesen, als im September 1970 die jordanische Regierung mit aller Härte einen Aufstand der Palästinenser niederschlug, die von Syrien unterstützt worden waren. Ergebnis dieses Bürgerkriegs: Die Palästinenser-Organisationen sind bis heute aus Jordanien verschwunden, in Syrien kam Assad an die Macht. Das Ereignis bekam einen mystisch-verklärenden Namen: der „Schwarze September„.

Jetzt scheint in Syrien das Großaufräumen zu beginnen. Palästinenser-Flüchtlingslager werden bombardiert, die Insassen sind auf der Flucht.

Am 16.12.2012 berichtete die österreichische „Presse“:

25 Tote: Syrisches Regime greift Flüchtlinge an

Bei dem Luftangriff wurden Dutzende Menschen getötet. Die Raketen trafen auch eine Moschee, in der zahlreiche Flüchtlinge Schutz gesucht hatten.

Der Bürgerkrieg in Syrien nimmt immer grausamere Ausmaße an: Gestern, Sonntag, griff die syrische Luftwaffe ein Flüchtlingslager an. Bei dem Angriff auf das palästinensische Camp Yarmouk im Süden von Damaskus wurden Dutzende Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Wie Aktivisten berichteten, feuerten Kampfflugzeuge mindestens zwei Raketen auf das Camp und trafen dabei eine Moschee, in der rund 600 Flüchtlinge aus den umliegenden Gebieten Schutz gesucht hatten.

via 25 Tote: Syrisches Regime greift Flüchtlinge an « DiePresse.com.

Am 18.12. meldete Reuters aus dem Lager Yarmuk in Damaskus:

Nach Angaben des Nachrichtensenders al-Jazira haben syrische Truppen das Palästinenserlager Yarmuk in Damaskus eingekesselt. Am Montag war bereits eine Massenflucht der Palästinenser ausgelöst worden, nachdem Kämpfe verfeindeter Gruppen sowie Luftangriffe das Lager erfasst hatten. […]

Weiter berichtet der Sender von Hunderten von Familien, die am Dienstagmorgen die Möglichkeit hatten, zu flüchten. Sie seien an verschiedene Orte gezogen; einige suchen Unterschlupf bei Verwandten ausserhalb des Lagers, andere begaben sich zu Moscheen in den benachbarten Stadtvierteln von Damaskus wie Midan und Zahira. Zahlreiche palästinensische Flüchtlinge hätten auch die Grenze nach Libanon überschritten.

via Palästinenserlager eingekesselt – NZZ.ch, 18.12.2012.

Doch schon im Juli hatte die NZZ berichtet:

Yarmuk, das grösste palästinensische Lager von Damaskus, steht unter dem Beschuss der Regierungstruppen. Die Palästinenser haben sich auf die Seite der Aufständischen geschlagen.

via Die Palästinenser in Syrien wenden sich gegen Asad – NZZ.ch, 27.07.2012.

Wie schwarz wird der Dezember für Palästinenser noch werden, die seit 65 Jahren als Lösung für ihre Probleme nichts anderes wissen als Juden zu massakrieren und dabei von ihren arabischen Brudernationen nicht nur nach Strich und Faden verarscht, sondern auch massakriert werden?

Man kann den sarkastischen Zynismus des Bloggers nachvollziehen, der nun von einer „Endlösung der Palästinenserfrage in Syrien“ schrieb:

Die einzige Möglichkeit, den von Syrien verfolgten Palästinensern zu helfen, wäre eine militärische Intervention in Syrien durch Israel. Dadurch könnten alle Kombattanten ohne Gesichtsverlust sich gegen Juden und Zionisten vereinigen und die Überlebenschancen drangsalierter Palästinenser in Syrien würden steigen.

via Die Endlösung der Palästinenserfrage in Syrien | Numeri 24:9.

Offen bleibt bislang, ob die Palästinenser in Syrien auch bei einem Sieg der Anti-Assad-Rebellen nach mehr als 60 Jahren weiterhin in „Flüchtlingslagern“ leben werden bzw. müssen oder ob ein neues Regime ihnen eine normale Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen würde, so wie es in einigen arabischen Staaten am Persischen Golf möglich ist. Ob die militanten Palästinenserorganisationen das jedoch überhaupt wollen, ist wiederum eine andere Frage.

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